Schönrederei

Neujahrsansprachen

Villingen-Schwenningen. Es ist in weiten Teilen unseres Landes (guter?) Brauch, daß seitens der örtlichen Amts- und Würdenträger (z. B. Landräte, Bürgermeister, Abgeordnete, Kirchenleute, Gewerkschaftsfunktionäre, Industrie- und Handelskammerpräsidenten usw.) zum Jahresbeginn die Unter-tanen (auch Bürger genannt) zu sogenannten Neujahrsempfängen eingeladen werden. Im Mittelpunkt steht dann in aller Regel eine, meistenteils durch Länge und Inhaltslosigkeit geprägte Ansprache des Veranstalters. Abgerundet wird das Ganze üblicherweise dann noch durch einen anschließenden „Sektempfang mit Schnittchen“.

Auffällig ist, daß bei den Ansprachen und/oder Interviews der „Oberen“ sehr viel schön geredet wird. Heikle Themen, wie beispielsweise die Flüchtlingsinvasion und deren nachhaltige Folgekosten werden entweder überhaupt nicht angesprochen oder falls doch, dann nur so beiläufig als Randnotiz erwähnt.

Breiten Raum hingegen nehmen die im vergangenen Jahr (angeblich) vollbrachten „Leistungen“ ein. Und natürlich wird erwähnt, was im neuen Jahr so alles umgesetzt werden soll. Das ist von Örtlichkeit zu Örtlichkeit natürlich unterschiedlich, beschränkt sich allerdings meistenteils auf Nullachtfünfzehn Themen wie Innenstadtsanierung, Straßenbau, mehr Miteinander durch Weltoffenheit und Toleranz, Ausweisung neuer Flächen für Industrie und Handel, Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV), Stärkung des Tourismus, sozialer Wohnungsbau für alle (geflissentlich „vergessen“ wird der Hinweis, daß eigentlich für die Anschlußunterbringung der sogenannten Flüchtlinge gebaut wird),

Schlußwort:

Es wird bei diesen Schaufensterreden auch immer wieder darauf hingewiesen, wie gut es uns doch ginge und was für ein gar so reiches Land wir angeblich seien. Fakt ist, daß die deutsche Gesamtverschuldung derzeit 6,2 Billionen Euro beträgt und nach finzanzwissenschaftlichen Berechnungen die Flüchtlingswellenkosten dieses Finanzloch um rund zusätzliche 1,5 Billionen vergrößern werden. Davon erfährt man seitens der Neujahrsansprachenschönredner selbstredend herzlich wenig.

Jürgen Schützinger – Kreis- u. Stadtrat