„Asylat“

 Cui bono?

Villingen-Schwenningen. Zugegeben: Weder beim Bundesamt für Verfassungsschutz in Köln, noch bei den jeweiligen Landesämtern sind die Gescheitesten der Gescheiten in Amt und Würde. Aber dennoch, und bei aller Nachsicht, so blöd kann und sollten „die Dienste“ eigentlich nicht sein, wie dies jetzt im knapp 1.800-Seelen-Örtchen Vorra offenbar wurde.

In der beschaulichen, mittelfränkischen, unweit der Frankenhauptstadt Nürnberg gelegenen, SPD-regierten Gemeinde, die vorher kaum jemand kannte, jetzt aber die ganze Welt kennt, wurden drei zusammenstehende und unbewohnte Gebäude angefackelt. Dieses Geschehen an sich, wäre den überregionalen Medien eigentlich keine Zeile und/oder Wörtchen wert, da niemand verletzt wurde und auch der Brandschaden – großzügig geschätzt - sich auf „nur“ 700.000 Teuro beläuft. Das Besondere an dem Fall ist allerdings, daß es sich bei den in Mitleidenschaft gezogenen Baulichkeiten um quasi geheiligtes Gut deshalb handelte, weil die extra hierfür sanierten Residenzen zur kurz bevorstehenden Willkommensaufnahme für sogenannte „Flüchtlinge“ auserkoren waren. Nun also mußte die schon bis ins kleinste Detail vorbereitete Flüchtlings-Begrüßungsparty leider – wg. Brandschaden – erst mal abgeblasen werden.

Heerscharen von Polizisten, Staatsanwälten, Gewerkschaftsfunktionären, Pfarrern, Lehrern und selbsternannten Gutmenschen sowieso, sind derzeit rund um die Uhr auf Tätersuche. Der Kreis der in Frage kommenden Brandstifterinnen und Brandstifter scheint überschaubar zu sein, alldieweil jene eigentlich so eine Art Visitenkarte am Ort des schändlichen Geschehens hinterlassen haben. Es sind dies zwei mit roter (wieso nicht brauner?) Farbe an einer Hausfassade angebrachte Hakenkreuze die ein Geschmier („Kein Asylat in Vorra“) flankieren.

Für jeden unbedarften Bundesrepublikaner (und natürlich auch Bundesrepublikanerin) ist bei dieser Sachlage vollkommen klar, wer die Verbrecher sind und auch nur sein können: Rechtsradikale!!!

Kenner der US-BRD-Politmafia-Szene allerdings tippen, tätermäßig gesehen, eher auf andere Zeitgenossen. Da geht der Zeigefinger schon mehr in Richtung Verfassungsschutz. Denn den dort im Dienste der wehrhaften Demokratie tätigen Schützern traut man es durchaus zu, so unbedarft zu sein, in der Aufregung der Nacht, das Wort „Asylant“ fehlerfrei an eine Wand pinseln zu können.

Wie dem auch sei, wer immer die Unholde auch sein mögen, die veröffentlichte Meinung der Vorrarer auf einen Nenner gebracht lautet: Jetzt erst recht. Wir nehmen nach diesem Brandattentat auf leerstehendes Gemäuer gerne noch weit mehr Asylanten-Flüchtlinge auf, als die ursprünglich vorgesehenen achtzig.

In einschlägigen Ermittlerkreisen ist der lateinische Begriff „cui bono“ (wem zum Guten bzw. wem nützt es?) keineswegs fremd. Nachdenken schadet – auch und gerade vor Weihnachten, dem Fest der Freude und der (Fremden-) Liebe – allemal nichts!

Mit nachdenklichen Adventsgrüßen

Jürgen Schützinger – Kreis- u. Stadtrat