Holper die stolper …

Charlotte und Christian haben recht

 
Villingen-Schwenningen. Es ist mal wieder so weit: Mit Blick auf die „Pogromnacht“ und die nahende Weihnachtszeit, wird das „Dein-Herz-mach-auf-Syndrom“ bemüht. Politisch korrekt-gutmenschlich Programmierte kramen in ihren Rumpelkisten und zerren hervor, was dem der Zeit gemäßen Zeitgeist entspricht.

So ist es nicht verwunderlich, daß auch der deutschland- und zwischenzeitlich europaweit sattsam bekannte Stolperstein-Künstler Gunter Demnig sich über gesteigerte Nachfrage und somit volle Auftragsbücher und Kassen nicht beklagen kann. Wo der Kölner „Künstler“ seine 10 x 10 cm großen und mit einer 1 mm dicken Messingtafel versehenen kubischen Betonsteine im ersten Anlauf für mindestens 120 Teuro pro Steinchen noch nicht an den Mann/die Frau bringen konnte, wird durch seine Fangemeinde eben nachgehakt. So auch in der vom SPD-Oberbürgermeister Kubon ausgerufenen „Baden-Württemberg-Stadt“ Villingen-Schwenningen.

Dort wird jetzt mit kirchlichem Beistand und unter aktiver Mithilfe aller Zeitgemäßen erneut probiert, den Gemeinderat dazu zu bewegen, endlich ein klares Ja zur Stolperstein-Verlegung an passenden Stellen in ausgesuchten Gehwegbereichen zu erheischen. Die Stolpersteine, so die Propaganda, werden zur Erinnerung an Menschen verlegt, „die im Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden“, so die offizielle Sitzungsdrucksache für den Gemeinderat.

Demnigs-Werbemanagement sorgt bislang durchaus für gutes Geschäft: Mehr als 42.000 Betonsteinchen sollen bereits in über 1.000 Städten und Gemeinden, zwischenzeitlich europaweit, verlegt worden sein. Das ergibt, rein Netto, also ohne Spesen, Fahrtkosten, Gutmenschenspenden etc., schon mal eine stolze Summe von weit über 5 Millionen Euro! Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!

Da lob ich mir doch die ehemalige Vizepräsidentin des Jüdischen Weltkongresses (WJC) und seit 1985 amtierende Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Charlotte Knobloch beurteilt den Stolperstein-Geschäftsrummel als negativ. Sie bezeichnet es als „unerträglich“, die Namen ermordeter Juden auf Tafeln zu lesen, die in den Boden eingelassen sind und auf denen mit Füßen „herumgetreten“ werde. In ihren Augen wird das Gedenken an die Opfer auf diese Weise „geschändet und beschmutzt“. Auch der Münchner SPD-Oberbürgermeister Christian Ude befürchtet eine „Inflationierung der Gedenkstätten“.

Wo Charlotte und Christian recht haben, haben sie recht.

Ekelhaft wird dieser Erinnerungszinnober dann, wenn ganz offensichtlich geschäftliche Interessen im Vordergrund stehen und mit dem Tod Mammon gemacht werden soll und man sich dessen auch noch gutmeinender Blödmenschen mißbräuchlich bedient.

 

Mit stolprigen Grüßen

Jürgen Schützinger – Kreis- u. Stadtrat, Pressesprecher –